Praxisbeispiele

Wie nachhaltige Finanzierung im Alltag aussehen kann, zeigt sich am besten in der Praxis. NAFIM arbeitet mit mittelständischen Unternehmen zusammen, die ihre Erfahrungen teilen und Einblicke in ihre Entscheidungen geben. Manche Betriebe beginnen mit einzelnen Maßnahmen, andere gehen weiter und verändern ganze Prozesse. Was möglich ist, hängt immer vom jeweiligen Betrieb ab.

Die Praxisbeispiele zeigen, wo Ansatzpunkte liegen – und dass es nicht den einen richtigen Weg gibt, die Transformation zu gestalten, sondern viele gute.

Zwei Frauen stehen in einem Nähatelier an einem Zuschneidetisch mit Jeansstoffresten und Stoffmustern; im Hintergrund sind Nähmaschinen, Stoffregale und Kleidungsstücke zu sehen.

„Wir glauben an eine Zukunft, in der ökologische Verantwortung und soziale Teilhabe zusammengehören. Mit dem Upcycling textiler Überschüsse schaffen wir Qualifizierung und Arbeit für Menschen mit Migrations- oder Fluchtbiografie. Denn nachhaltige Veränderung entsteht dort, wo ökologische und soziale Wirkung zusammenkommen.“

Bridge & Tunnel GmbH

Die Hamburger Upcyclingmanufaktur Bridge&Tunnel verwandelt textile Überschüsse in neue Wertschöpfung. Gemeinsam mit Unternehmen und Endkund:innen entwickelt sie zirkuläre Lösungen aus aussortierten Materialien und zeigt, wie aus vermeintlichen Materialresten neue Möglichkeiten entstehen.

Dabei verbindet Bridge&Tunnel nachhaltiges Wirtschaften mit sozialer Teilhabe: Sie schaffen Qualifizierungs- und Arbeitsmöglichkeiten für Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt oft übersehen werden. So entstehen neue Perspektiven und echte Teilhabe entlang einer zirkulären Wertschöpfung. Für seine Arbeit wurde Bridge&Tunnel bereits zwei Mal mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

Mann mit Mütze und brauner Lederschürze steht in einer Brauerei vor Bierfässern, umgeben von grossen Edelstahl-Gärtanks.

„Für uns ist Nachhaltigkeit eine Art zu denken: Sie steckt in den Rohstoffen, den Lieferwegen, der Energieversorgung und in der Frage, wie wir hier vor Ort wirtschaften wollen.“

wildwuchs Brauwerk Hamburg KG

Das Wildwuchs Brauwerk braut in Hamburg Bio-Biere und versteht Nachhaltigkeit als Teil des gesamten Produktionsprozesses: Die Zutaten stammen aus ökologischem Anbau, produziert wird vor Ort in Hamburg-Wilhelmsburg. Nach der Abfüllung kommt das Bier ohne lange Umwege zu Kundinnen und Kunden.

Fortlaufend arbeitet die Brauerei daran, Ressourcenverbrauch und Emissionen weiter zu reduzieren, etwa durch Baumpflanzungen, durch den Einsatz von regenerativer Energie sowie durch eine bewusste Auswahl der Partnerbetriebe. Wildwuchs ist Teil des Gemeinwohl-Ökonomie-Netzwerkes sowie Regionalwert Partner und UmweltPartner Hamburg.

Drei Männer posieren in einer Werkstatt mit einem roten Lastenvelo mit schwarzer Transportbox, umgeben von Werkzeugwänden, Regalen und Werkstattmaterial.

„Transformation verläuft selten geradlinig. Manchmal geht es zwei Schritte vor und dann wieder einen zurück. Wichtig ist, trotzdem weiterzumachen und das eigene Geschäftsmodell immer wieder weiterzuentwickeln.“

tricargo eG

Die Hamburger Genossenschaft tricargo entwickelt Lösungen für emissionsfreie Lastenlogistik in der Stadt. Mit einer eigenen Flotte von Schwerlastenrädern liefert das Unternehmen Waren auf der letzten Meile aus und betreibt zusätzlich Werkstatt, Handel und Beratung rund um Cargo-Bikes. Außerdem hat tricargo ein eigenes Schwerlastrad entwickelt, den „Lademeister“.

Seit der Gründung gehört Nachhaltigkeit zum Selbstverständnis der Genossenschaft. Der Betrieb arbeitet mit Ökostrom und engagiert sich für eine emissionsfreie städtische Mobilität.

Ein Steinmetz steht in seiner Werkstatt neben einem roh bearbeiteten Grabstein aus rotem Granit. Um ihn herum liegen Werkzeuge, Steinblöcke und Maschinen zur Bearbeitung von Naturstein.

„Gegründet wurde unser Betrieb 1972 – vor über 50 Jahren – von meinem Lehrmeister hier in Hamburg-Bramfeld. Seit inzwischen 35 Jahren bin ich dem Unternehmen treu verbunden, und seit 2006 führen wir den Betrieb in eigener Verantwortung weiter. Nachhaltigkeit ist für uns kein Trend, sondern Überzeugung.”

Steinmetzbetrieb Gerhard Gloge e.K. Inh. Marc Behncke

Nachhaltigkeit ist für den Steinmetzbetrieb Gerhard Gloge e.K. Inh. Marc Behncke kein Trend, sondern eine gewachsene Überzeugung. Für Großmaschinen und in der Werkstatt wird seit Jahren Regenwasser genutzt. Seit 2022 produziert der Betrieb klimaneutral mit Strom aus einer eigenen Photovoltaikanlage, Heizung und Warmwasser werden über eine Wärmepumpe bereitgestellt. Der Fuhrpark ist vollständig auf Elektromobilität umgestellt.

Auch bei Arbeiten vor Ort kommt kein fossiler Strom mehr zum Einsatz: Verwendet wird selbst erzeugter Solarstrom, der in einem Akku gespeichert wird. Die importierten Natursteine stammen aus zertifizierten Steinbrüchen, zudem werden seit vielen Jahren Grabsteine recycelt, aufgearbeitet und erneut einer würdevollen Nutzung zugeführt. Der Betrieb ist zudem UmweltPartner Hamburg.

Drei Männer stehen lächelnd in einer Holzwerkstatt hinter einer Werkbank mit Werkzeugen; vor ihnen liegen Hobel, Stechbeitel und Holzproben, im Hintergrund sind Regale, Werkbänke und Holzelemente zu sehen.

„Räume bestimmen mit, wie wir lernen und zusammenarbeiten. Deshalb bauen wir so, dass unsere Möbel lange genutzt werden können und dass wir Herkunft und Verarbeitung der Materialien guten Gewissens vertreten können.“

Die Elbtischler

Die Elbtischler haben sich auf den nachhaltigen Ausbau von Bildungsräumen und Einrichtungen spezialisiert. Sie planen und fertigen maßgeschneiderte Holzlösungen, von funktionalen Einbauten bis hin zu Spiel- und Bewegungslandschaften.

Als UmweltPartner Hamburg überprüft das Unternehmen regelmäßig die eigenen Abläufe: Der Energieverbrauch in der Werkstatt wird ebenso kritisch beleuchtet wie die Lieferketten. Die Elbtischler arbeiten mit Holz aus verantwortungsvoller Herkunft und setzen auf verbindliche Standards: Seit 2024 sind sie FSC®- und PEFC-zertifiziert. In der Werkstatt wird seit vielen Jahren Ökostrom genutzt, regionale Lieferketten haben Vorrang. Materialreste werden, wo immer möglich, weiterverwendet oder als Bastelmaterial zur Verfügung gestellt.

Zwei Personen stehen nebeneinander in einem modernen Innenraum; links eine Frau mit schulterlangem Haar, schwarzem Langarmshirt und Jeans vor einer grünen Wand, rechts ein Mann mit Brille, dunklem Pullover und beiger Hose vor einer Glastür; beide blicken lächelnd in die Kamera.

„Wenn wir Kunststoff ersetzen wollen, müssen Materialien von Grund auf neu gedacht werden. Mit traceless entwickeln wir fossilfreie Alternativen, die sich in bestehende industrielle Prozesse integrieren lassen und den Weg zu einer klimafreundlichen, zirkulären Industrie ebnen.“

traceless® materials

Das Hamburger BioökonomieScale-up traceless® entwickelt aus pflanzlichen Reststoffen ein biobasiertes, plastikfreies und kompostierbares Biomaterial als Alternative zu herkömmlichem Kunststoff. Produkte wie Pommesgabeln oder Verpackungen lassen sich nach Gebrauch vollständig kompostieren. Das Material lässt sich auf Standard-Verarbeitungsanlagen weiterverarbeiten und spart im Vergleich zu klassischen Kunststoffen bis zu 91 % CO₂ bei Produktion und Entsorgung ein. Seit der Gründung 2020 baut traceless Produktionskapazitäten auf, arbeitet an der Skalierung auf industriellen Maßstab und sorgt für regulatorische Absicherung, um das Material marktfähig zu machen.