Interview
Am Ende gehört alles zusammen
Warum nachhaltiges Wirtschaften bei den Elbtischlern bei den eigenen Materialien beginnt und bei der Klimaanpassung in der Stadt nicht aufhört.
Die Elbtischler haben sich auf den nachhaltigen Ausbau von Bildungsräumen und Einrichtungen spezialisiert. Sie planen und fertigen maßgeschneiderte Holzlösungen, von funktionalen Einbauten bis hin zu Spiel- und Bewegungslandschaften.
Als UmweltPartner Hamburg überprüft das Unternehmen regelmäßig die eigenen Abläufe: Der Energieverbrauch in der Werkstatt wird ebenso kritisch beleuchtet wie die Lieferketten. Die Elbtischler arbeiten mit Holz aus verantwortungsvoller Herkunft und setzen auf verbindliche Standards: Seit 2024 sind sie FSC®- und PEFC-zertifiziert. In der Werkstatt wird seit vielen Jahren Ökostrom genutzt, regionale Lieferketten haben Vorrang. Materialreste werden, wo immer möglich, weiterverwendet oder als Bastelmaterial zur Verfügung gestellt.

„Räume bestimmen mit, wie wir lernen und zusammenarbeiten. Deshalb bauen wir so, dass unsere Möbel lange genutzt werden können und dass wir Herkunft und Verarbeitung der Materialien guten Gewissens vertreten können.“
Das Interview führte Yvonne Schönherr (NAFIM) mit Boris Breiding (Die Elbtischler AvB GmbH) im Juni 2026
NAFIM: Worauf sind die Elbtischler spezialisiert – und warum?
Boris Breiding: Wir sind eine Tischlerei, die ausschließlich für Bildungseinrichtungen arbeitet. Das sind vor allem Schulen und Kindergärten, hin und wieder auch Universitäten oder Jugendzentren. Im Moment sind es tatsächlich sehr viele Schulen, die etwa 70 Prozent unseres Geschäfts ausmachen. Weil die Finanzierung vieler Kitas inzwischen so schwierig geworden ist, wird dort oft nicht mehr investiert – das wird uns eines Tages noch auf die Füße fallen. Die Schulen sind anders aufgestellt, da hat das Startchancen-Programm viel angestoßen und davon profitieren auch wir.
Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Klimaschutz bei eurer Arbeit?
Für mich liegt der Fokus vor allem auf dem Thema Ökologie und Umweltschutz, dadurch wird das alles sehr greifbar. Wir haben schon vor vielen Jahren angefangen, uns genau anzuschauen, welche Materialien und Stoffe wir eigentlich verarbeiten. Es gibt die sogenannten EU-Sicherheitsdatenblätter, in denen drinsteht, welche Chemikalien worin enthalten sind und was die bei der Verarbeitung und später bei der Verwendung so anrichten. Da geht es um Ausdünstungen und auch um die Entsorgung und so weiter. Diese Datenblätter haben wir durchgearbeitet und festgestellt, dass wir fröhlich dabei sind, uns selbst zu vergiften. Daraufhin haben wir bestimmte Geschäftsfelder aufgegeben, zum Beispiel die Fenstermontage, weil dort sehr viel mit problematischen Schäumen, Klebern und anderen Stoffen gearbeitet wird. Nach und nach haben wir uns auch von Materialien wie Spanplatten und MDF verabschiedet und arbeiten heute überwiegend mit Dreischichtplatten, Multiplex und Massivholz. Auch da sind teilweise noch viele Kleber enthalten, aber es ist trotzdem eine ganz andere Qualität. Außerdem haben wir das Lackieren komplett aufgegeben, weil auch die Lösungsmittel und Härter, die dabei eingesetzt werden, gesundheitlich total problematisch sind. Wir haben also unsere Lackierkammer abgerissen und ölen unsere Möbel nur noch.
„Der wichtigste Punkt ist die Langlebigkeit. Eine Tischlerplatte oder eine Multiplexplatte ist nicht nur ökologischer, sondern deutlich robuster.“
Was bedeutet das konkret für die Möbel, die ihr für Schulen und Kindergärten baut?
Der wichtigste Punkt ist die Langlebigkeit. Eine Tischlerplatte oder eine Multiplexplatte ist nicht nur ökologischer, sondern deutlich robuster. Multiplex hat beispielsweise eine viel höhere Schraubenfestigkeit als Spanplatte. Viele kennen das von günstigen Möbeln: Wenn eine Tür einmal überdehnt wird, bricht die Schraube aus der Spanplatte heraus. Bei Multiplex passiert das nicht, da sitzt die Schraube einfach fest. Dazu kommt, dass in Schulen und Kindergärten oft großzügig mit sehr viel Wasser gewischt wird und dann quellen bei minderwertigen Möbeln die Sockel oder Seitenwände auf. So entstehen Schäden, die am Ende dazu führen, dass solche Spanplatteneinrichtungen schon nach 10 Jahren Sondermüll sind. Unsere Möbel müssen mindestens 30 Jahre halten, das ist unser Anspruch – wahrscheinlich halten sie auch noch länger. Sie müssen innerhalb von 30 Jahren also nur einmal gekauft werden und nicht dreimal, dadurch kosten sie am Ende weniger, obwohl die Investition am Anfang höher ist.
Nachhaltigkeit betrifft bei euch aber nicht nur die Produkte, sondern auch den Betrieb selbst, oder?
Genau. Wir haben uns auch intensiv mit unserer Infrastruktur beschäftigt. Ein großes Thema war die Beleuchtung. Früher hatten wir alte Natriumdampflampen mit 400 Watt Leistung pro Lampe. Heute nutzen wir LED-Leuchten, die deutlich mehr Licht machen und dabei nur 120 Watt brauchen. Wenn wir die etwas runterdimmen, dann leben sie noch länger und wir haben fantastisches Licht für ein Viertel der Kosten, die wir früher hatten. Das ist schon richtig cool. Ein weiterer wichtiger Punkt ist Druckluft. In Produktionsbetrieben ist Druckluft in der Herstellung eine der teuersten Energieformen. Schon kleine Lecks können mehrere hundert Euro im Jahr kosten und die hast du ratzfatz, wenn du nicht aufpasst. Deswegen gehe ich abends immer mal wieder durch die Firma und höre, ob die Leitungen irgendwo undicht sind. Das wird dann sofort abgedichtet. Für die Erzeugung der Druckluft haben wir einen energiesparenden Schraubenkompressor mit elektronischer Steuerung angeschafft, der nur dann Leistung bereitstellt, wenn sie tatsächlich gebraucht wird. Bei der Elektromobilität sind wir allerdings noch nicht ganz dort, wo wir gerne wären. Im Pkw-Bereich fahren wir schon seit 5 Jahren elektrisch und ich würde am liebsten nur noch Stromautos fahren. Bei Transportern ist die Reichweite für uns noch nicht ausreichend.
„Grundsätzlich haben wir fast alles über klassische Hausbank- und KfW-Finanzierungen umgesetzt. Das waren vor allem Investitionen in die Weiterentwicklung des Betriebs, zum Beispiel in unsere CNC-Maschine oder den Kompressor.“
Welche Erfahrungen habt ihr mit Finanzierung und Förderung gemacht?
Grundsätzlich haben wir fast alles über klassische Hausbank- und KfW-Finanzierungen umgesetzt. Das waren vor allem Investitionen in die Weiterentwicklung des Betriebs, zum Beispiel in unsere CNC-Maschine oder den Kompressor. Dadurch konnten wir effizienter werden, das waren aber keine nachhaltigen Finanzierungen im engeren Sinn. Spannend wurde es im letzten Jahr mit unserem Außengelände. Das haben wir gemeinsam mit der Loki-Schmidt-Stiftung und der ökologisch arbeitenden Gärtnerei „Biotop“ biodivers umgestaltet. Dafür haben wir erstmals eine Finanzierung mit Tilgungszuschuss in Höhe von 60 Prozent genutzt. Und ich muss gestehen, dass ich noch gar nicht weiß, wie das nun genau funktioniert. Wir haben uns eingelesen und alles eingetütet, das war wahnsinnig kompliziert, obwohl die Finanzierung eigentlich sehr klein war. Der bürokratische Aufwand für kleine Vorhaben ist aber genauso hoch wie für einen 1,5-Millionen-Kredit, weil man sich durch die ganzen Richtlinien und Anforderungen arbeiten muss. Ich verstehe schon, dass Fördermittel sauber kontrolliert werden müssen. Trotzdem würde ich mir etwas mehr Vertrauen und einfachere Verfahren für uns Gewerbetreibende wünschen.
Welche Erfolge konntet ihr mit diesen Investitionen erzielen?
Den größten Erfolg sehe ich jedes Mal, wenn ich auf unseren Hof fahre. Dort wächst inzwischen eine artenreiche Fläche mit Wildblumen und heimischen Pflanzen. Gerade jetzt blüht dort der rote Mohn. Das ist nicht nur schön anzusehen, sondern hat auch ganz praktische Auswirkungen auf das Mikroklima und die Aufenthaltsqualität. Das Thema Klimafolgenanpassung wird aus meiner Sicht massiv unterschätzt. Wenn wir künftig regelmäßig Temperaturen von 35 Grad und mehr haben, wird das auch für Handwerksbetriebe ein großes Thema, da geht die Leistung nach unten und wir reden irgendwann über Gesundheitsgefährdung. Wir müssen uns also überlegen, wie wir unsere Städte kühlen und dafür sind solche Flächen notwendig, das haben viele noch gar nicht begriffen.
Was würdet ihr anderen Unternehmen empfehlen, die nachhaltiger wirtschaften wollen?
Den größten Erfolg sehe ich jedes Mal, wenn ich auf unseren Hof fahre. Dort wächst inzwischen eine artenreiche Fläche mit Wildblumen und heimischen Pflanzen. Gerade jetzt blüht dort der rote Mohn. Das ist nicht nur schön anzusehen, sondern hat auch ganz praktische Auswirkungen auf das Mikroklima und die Aufenthaltsqualität. Das Thema Klimafolgenanpassung wird aus meiner Sicht massiv unterschätzt. Wenn wir künftig regelmäßig Temperaturen von 35 Grad und mehr haben, wird das auch für Handwerksbetriebe ein großes Thema, da geht die Leistung nach unten und wir reden irgendwann über Gesundheitsgefährdung. Wir müssen uns also überlegen, wie wir unsere Städte kühlen und dafür sind solche Flächen notwendig, das haben viele noch gar nicht begriffen.
„Spannend wurde es im letzten Jahr mit unserem Außengelände. Das haben wir gemeinsam mit der Loki-Schmidt-Stiftung und einer ökologisch arbeitenden Gärtnerei biodivers umgestaltet. Dafür haben wir erstmals eine Finanzierung mit Tilgungszuschuss in Höhe von 60 Prozent genutzt.“
Was braucht es aus eurer Sicht, damit mehr Unternehmen nachhaltige Investitionen wagen?
Vor allem mehr Übersicht und einfachere Strukturen. Für viele Unternehmen ist die Förderlandschaft ein Dschungel aus vielen unterschiedlichen Programmen, Zuständigkeiten und Bedingungen. Deshalb finde ich es nur konsequent, dass es die Servicestelle NAFIM gibt. Die meisten Hausbanken haben weder die Zeit noch das Interesse, Unternehmen umfassend durch Förderprogramme zu lotsen. Umso hilfreicher ist eine unabhängige Anlaufstelle, die Orientierung bietet und Sichtbarkeit schafft. Denn das wird oft unterschätzt: Wenn man ehrlich in Nachhaltigkeit investiert und nicht nur Greenwashing betreibt, dann bringt das auch positive Aufmerksamkeit, was sich bis hin zur Gewinnung von Mitarbeitenden auswirkt. Wir bekommen jede Woche neue Bewerbungen von tollen jungen Menschen, die bei uns ihre Ausbildung machen wollen. Man kann nicht immer nur jammern, dass der Nachwuchs fehlt. Man muss sich halt auch bewegen.
Lektorat: Miriam Holzapfel

