Interview

Man muss einfach anfangen

Ein Gespräch mit dem Steinmetzbetrieb Gerhard Gloge über Klimaschutz im Handwerk, eigene Energie und den Mut zur Veränderung

Nachhaltigkeit ist für den Steinmetzbetrieb Gerhard Gloge e.K. Inh. Marc Behncke kein Trend, sondern eine gewachsene Überzeugung. Für Großmaschinen und in der Werkstatt wird seit Jahren Regenwasser genutzt. Seit 2022 produziert der Betrieb klimaneutral mit Strom aus einer eigenen Photovoltaikanlage, Heizung und Warmwasser werden über eine Wärmepumpe bereitgestellt. Der Fuhrpark ist vollständig auf Elektromobilität umgestellt.

Auch bei Arbeiten vor Ort kommt kein fossiler Strom mehr zum Einsatz: Verwendet wird selbst erzeugter Solarstrom, der in einem Akku gespeichert wird. Die importierten Natursteine stammen aus zertifizierten Steinbrüchen, zudem werden seit vielen Jahren Grabsteine recycelt, aufgearbeitet und erneut einer würdevollen Nutzung zugeführt. Der Betrieb ist zudem UmweltPartner Hamburg.

Ein Steinmetz steht in seiner Werkstatt neben einem roh bearbeiteten Grabstein aus rotem Granit. Um ihn herum liegen Werkzeuge, Steinblöcke und Maschinen zur Bearbeitung von Naturstein.

„Gegründet wurde unser Betrieb 1972 – vor über 50 Jahren – von meinem Lehrmeister hier in Hamburg-Bramfeld. Seit inzwischen 35 Jahren bin ich dem Unternehmen treu verbunden, und seit 2006 führen wir den Betrieb in eigener Verantwortung weiter. Nachhaltigkeit ist für uns kein Trend, sondern Überzeugung.”

Steinmetzbetrieb Gerhard Gloge e.K. Inh. Marc Behncke

Das Interview führte Yvonne Schönherr (NAFIM) mit Marc Behncke (Steinmetzbetrieb Gerhard Gloge e.K.) im Mai 2026

NAFIM: Womit beschäftigt sich Euer Betrieb hauptsächlich?

Marc Behncke: Wir sind ein traditioneller Steinmetzbetrieb und verkaufen hauptsächlich im Grabmarktbereich. Früher haben wir auch Fassaden, Treppen, Küchenarbeitsplatten gemacht, alles aus Naturstein, dafür sind wir da. Aber irgendwann haben wir gemerkt, dass wir uns konzentrieren müssen, auch wegen des Fachkräftemangels. Deshalb fokussieren wir uns heute hauptsächlich auf das Kerngeschäft, den Grabmalbereich. Für mich ist das der schönste Teil des Handwerks. Zum einen kann man kreativ arbeiten, zum anderen ist das etwas sehr Persönliches und Emotionales: Die Menschen kommen oft Jahre später noch vorbei und bedanken sich. Das ist etwas ganz anderes als früher auf dem Bau, wo es ständig nur um Preise und Nachverhandlungen ging. Vor Kurzem kam eine Kundin zu uns und sagte, es seien so wilde und so verrückte Zeiten und da sei es schön zu sehen, dass wir immer noch da sind, dass es unseren Steinwerksbetrieb noch gibt. Sie meinte, das gebe ihr ein Gefühl von Sicherheit. Schöner kann man es eigentlich nicht sagen.

Wir nutzen schon seit Langem Regenwasser für die Maschinen und Schleifarbeiten, wir haben eine Photovoltaikanlage und auf Wärmepumpe umgestellt. Und mittlerweile ist unser Fuhrpark komplett elektrifiziert.

Welche Rolle spielen dabei Nachhaltigkeit und Klimaschutz?

Eine große Rolle. Ich arbeite seit 35 Jahren in diesem Handwerk auf den Friedhöfen hier in Hamburg und sehe ganz konkret, wie sich der Boden verändert. Er trocknet immer stärker aus, der Grundwasserspiegel geht runter, die Feuchtigkeit von oben kommt nicht mehr rein. Wir merken das direkt in unserer täglichen Arbeit und es ist dramatisch, der Klimawandel ist real. Deshalb tun wir das, was in unserer Macht steht, passen unseren Betrieb an und arbeiten nachhaltig. Wir nutzen schon seit Langem Regenwasser für die Maschinen und Schleifarbeiten, wir haben eine Photovoltaikanlage und auf Wärmepumpe umgestellt. Und mittlerweile ist unser Fuhrpark komplett elektrifiziert. Auch bei Arbeiten vor Ort haben wir Dinge verändert: Früher lief dort ein benzinbetriebener Generator, den haben wir irgendwann in den Ruhestand geschickt. Heute arbeiten wir mit selbst erzeugtem Strom aus einem transportablen Akku. 

Und natürlich geht es bei uns auch um Material. Viele Natursteine, die früher verwendet wurden, werden heute gar nicht mehr abgebaut. Deshalb verwenden wir alte Grabsteine weiter, denn teilweise laufen die Gräber nach 25 Jahren ab. Die Steine werden dann runtergenommen und meistens geschreddert, für den Straßenbau zum Beispiel, was ja schon mal positiv ist. Aber eigentlich ist es schade, die Steine zu schreddern, da tut einem schon fast das Herz weh. Deshalb arbeiten wir sie auf und gestalten sie um, was übrigens teurer ist, als in China oder Indien irgendeinen Stein produzieren zu lassen und um die halbe Welt zu transportieren. Aber es macht halt einfach Sinn. Früher mussten wir das oft erklären, heute fragen Kundinnen und Kunden gezielt danach.

Wie habt Ihr die Veränderungen im Betrieb finanziert?

Vieles haben wir aus Eigenmitteln bezahlt. Wir hatten gute Jahre und konnten Rücklagen aufbauen. Die Photovoltaikanlage haben wir damals installiert, bevor es überhaupt Förderungen gab. Dem Solarbauer haben wir damals am Donnerstag den Auftrag erteilt und am Montag war er da und hat alles aufgebaut. Als wir später unsere alte Ölheizung ersetzt haben, kam für die Wärmepumpe dann eine Förderung dazu, so wurde auch das machbar, dabei halte ich eigentlich gar nicht so viel von Förderungen. Eine Finanzierung wäre mir aber zu riskant gewesen – ich bin auch kein Freund von Krediten, ich mache lieber alles mit Eigenmitteln. Aber im Nachhinein muss man aber sagen, dass eine Finanzierung schon sinnvoll sein kann, man muss sich das genau ausrechnen. Steuerlich wäre es wahrscheinlich teilweise klüger gewesen, manches nicht komplett selbst zu bezahlen. Wichtig war für uns vor allem, überhaupt anzufangen. Erst die PV-Anlage, dann kam das Elektroauto, dann die Wärmepumpe. Man merkt relativ schnell: Das funktioniert! Und es macht sogar Spaß. Du hast deine Apps und beschäftigst dich ganz anders mit Energie und Verbrauch und siehst dabei, wie die Kosten runtergehen. Wir haben wirklich deutlich weniger Energiekosten: Heute zahlen wir ungefähr so viel Stromkosten wie früher allein fürs Öl – nur, dass darin jetzt zusätzlich die Produktion und die Autos enthalten sind. Und tanken müssen wir praktisch auch nicht mehr.

Steinmetz bearbeitet Naturstein mit Gravierwerkzeug in der Werkstatt

Vieles haben wir aus Eigenmitteln bezahlt. Wir hatten gute Jahre und konnten Rücklagen aufbauen. Die Photovoltaikanlage haben wir damals installiert, bevor es überhaupt Förderungen gab.

Was würdet Ihr anderen Unternehmen empfehlen, die sich jetzt in den Startlöchern befinden?  

Einfach anfangen, womit auch immer. Ob mit E-Auto oder mit einer PV-Anlage – der Rest kommt dann fast wie von selbst. Und man sieht dann schnell, dass es sich lohnt, für das Gewerbe sowieso, privat aber auch. Es ist im Prinzip wie früher der Müller mit seinem Wasserrad, der hat auch seine eigene Energie produziert, das ist einfach wunderbar, gerade für das produzierende Handwerk. Aber du kannst auch als Elektriker oder Klempner deine Fahrzeugflotte elektrifizieren. Mich trifft man jedenfalls an keiner Tankstelle mehr und über die Spritpreise kann ich nur müde lächeln. Natürlich kosten Veränderungen Mut, Veränderung kostet immer Mut, aber jeder Unternehmer weiß: Stillstand ist Rückschritt. Hilfreich waren für uns übrigens auch Gespräche mit der Handwerkskammer, gerade für mich als Handwerker. Dort bekommt man Kontakte und Informationen, auf die man allein vielleicht gar nicht gekommen wäre.

Lektorat: Miriam Holzapfel